Hat Streaming gewonnen? Ob Blu-rays eine Zukunft haben.

Sich einen Film anschauen war zur Jahrtausendwende unweigerlich mit einer VHS-Kassette oder einer DVD verbunden. 2007 folgte die Einführung der Blu-ray, die frischen Wind und höhere Auflösung mitbrachte. Einige Jahre später boten Amazon, Netflix & Co. mit Streaming eine Alternative und ernstzunehmende Konkurrenz. Schließlich erlebte die Blu-ray im Februar 2019 einen herben Rückschlag. Was ist geschehen?

Streaming: Die Videothek im Jahr 2019

Videotheken besuchen, um Filme auszuleihen (und sie anschließend zurückgespult zurückzugeben), tun heute die wenigsten Menschen. Mit Streaming-Anbietern wie Netflix, Amazon Video, Sky, Maxdome & Co. schließt man ganz einfach ein monatliches Abonnement ab.

Schon hat man das ganze Angebot in bester Qualität (je nach Abo-Modell) auf Knopfdruck zur Verfügung. Einzige Voraussetzung ist hier eine stabile Breitband-Verbindung.

Da die meisten Internet-Verbindungen in deutschen Haushalten schnell genug für diesen Zweck sind, gibt es eigentlich keinen Grund, Streaming nicht zu benutzen. Die meisten Augen und Ohren kommen mit der gebotenen Qualität von gestreamten Inhalten zurecht. Audio- und Videophile haben hier jedoch Grund zum Meckern:

Ein Mann entspannt sich auf der Couch und schaut eine Serie oder einen Film mit Streaming.
Mit Streaming auf Fernsehern, Tablets, Smartphones oder Laptops war das Abspielen von Filmen noch nie so einfach. ©daviles

Durch das Streaming selbst werden Bild- und Tonsignale komprimiert, um die Bandbreite zu schonen. Die Komprimierungsalgorithmen sind von Anbieter und Anbieter unterschiedlich. Wer darauf nicht verzichten und das volle Heimkino-Erlebnis haben möchte, muss auf Datenträger zugreifen – zum Beispiel die Ultra HD Blu-ray.

DVD vs. Blu-ray

Um die technischen Fähigkeiten der Ultra HD Blu-ray zu erklären, müssen wir einige Jahre zurückgreifen. Bevor es auch nur die normale Blu-ray auf dem Markt gab, regierte die extrem populäre DVD. Der damalige Umstieg zur DVD von der VHS-Kassette wurde von Kunden wohlwollend aufgenommen: Kein Zurückspulen, keine empfindlichen Magnetbänder und deutliche Platzersparnis.

Allein die Qualität lässt nach heutigem Standard zu Wünschen übrig. Die Blu-ray versprach nach Markteinführung im Jahr 2007 dieses Problem zu lösen: Full HD-Qualität und spitzenmäßiger Sound auf einer Disc der gleichen Größe. Die markanten blauen Plastikhüllen sollten zu einem wahren Blickfänger in Elektronik-Fachmärkten werden.

Allerdings war der Umstieg nicht so leicht, wie vom Kunden anfänglich vorgestellt: Film-Fans brauchten einen HD-Fernseher und einen Blu-ray-Player. Und natürlich die Blu-ray selbst – und die kostete in den ersten Jahren je nach Titel bis zu 30 €. Währenddessen kosteten DVDs etwa 10 bis 15 €. Das Ergebnis konnte sich allerdings nach all diesen Anschaffungen sehen lassen!

In diesem Video wird der Qualitätsunterschied zwischen DVDs und Blu-rays deutlich.

Jetzt wird’s Ultra

Mehr als ein Jahrzehnt später begann die Qualität von Blu-rays nicht länger auszureichen. Im Jahr 2009 fanden sogenannte 3D-Blu-rays Einkehr auf dem Markt, die mithilfe einer des Fernsehers entsprechenden Brille größere Immersion ins Filmgeschehen versprachen. Von der Couch ab in den Weltraum.

In Eigenheimen setzte sich diese Innovation jedoch nie wirklich durch – im Kino ist 3D viel populärer. Auch wenn die nervige Brille nicht von jedem Zuschauer warm empfangen wurde.

Es folgte die Ultra HD Blu-ray. Die 3D-Variante wird hier gar nicht mehr unterstützt. Statt der in die Jahre gekommenen Full HD-Auflösung können Inhalte hier in Ultra HD-Auflösung gezeigt werden, also 3840 x 2160 Pixel. Kein “echtes” 4K, aber immerhin.

Weitere Schmankerl sind Kompatibilität mit Dolby Vision und HDR10. Dafür ist ein Ultra HD-Fernseher nötig, der über eine HDMI 2.0-Schnittstelle verfügt, um die hohen Datenmengen zu übertragen.

Den Blu-ray-Player muss man für die Verwendung der neuen Blu-rays nicht ersetzen. Doch jetzt folgt der Rückschlag:

Unterhaltungselektronik-Gigant Samsung hat sich im Februar 2019 dazu entschlossen, die Produktion von Blu-ray-Playern vollständig einzustellen. Geplanten Neuprodukten wurde der Saft abgedreht.

Damit folgt Samsung dem chinesischen Konkurrenten Oppo, der im Jahr 2018 verkündete, die Herstellung ihrer Produkte zu beenden.

Ein Stapel Blu-ray Hüllen.
Die Qualität ist sehr gut, allerdings nehmen die blauen Hüllen der Blu-ray viel Platz ein. ©Ronny Manthei

Was jetzt? Nützt es noch, die heimische Blu-ray-Kollektion auszubauen, wenn keine Abspielgeräte mehr produziert werden? Ein wenig, wie Felgen ohne Auto. An dieser Stelle ist es wissenswert, dass aktuelle Konsolen wie die Xbox One S oder Xbox One X UHD-Blu-rays abspielen können. Kommende Konsolen, wie die Playstation 5 und die Xbox Scarlett, werden wahrscheinlich weiterhin über optische Laufwerke verfügen. Daher ist auszugehen, dass die Blu-ray ihre Daseinsberechtigung erstmal behält. Hat Streaming den Kampf im Heimkino-Business jetzt also gewonnen oder nicht?

Streaming ist einfach günstiger

Eine ernüchternde, aber dennoch wahre Tatsache. Selbstverständlich gilt weiterhin, dass eine einmalig gekaufte Blu-ray so oft angeschaut werden kann, wie gewünscht. Eine Disc hält etwa 15 Jahre, bevor ihre Beschaffenheit nachlässt. Gestreamte Inhalte können so oft angeschaut werden, wie das Abonnement läuft. Digitale Kopien zu erstellen, ist legal nicht möglich.

Doch rechnet man mal durch, wie viel der Medienkonsum kostet, wird man schnell feststellen, dass Streaming tatsächlich mit weniger zu Buche schlägt. Wenn wir mal veranschlagen, dass ein Monat bei einem Streaming-Anbieter XY 10 € kostet, können wir uns für diese Summe das gesamte Angebot anschauen, bis uns die Augen viereckig werden. Dafür ist nicht mehr nötig, als ein Fernseher mit Internetzugang, ein Laptop, ein Tablet oder zur Not auch ein Smartphone.

Blu-rays auf den anderen Seite kosten einzeln bereits etwa 10 €, können nur auf einem Blu-ray-Player abgespielt werden und benötigen eine umfassende technische Peripherie. Mal kurz die letzte Folge der Lieblingsserie im Zug auf dem Smartphone anschauen? Mit der Blu-ray geht das leider nicht. Dafür sieht das Boxset aller verfügbaren Staffeln inklusive Making-of und Kommentar des Regisseurs im Regal ziemlich gut aus. Doch wo liegt die Priorität?

Beste erhältliche Qualität oder Einfachheit mit Streaming?

Zugegeben – theoretisch bieten Streaming-Anbieter Inhalte mit der gleichen Qualität wie auch Ultra HD Blu-rays. Der Haken? Bei den wenigsten Anbietern ist das problemlos möglich. In der Regel richtet sich die Qualität der Bildauflösung nach der verfügbaren Breitband-Verbindung. Einfach die Qualität einstellen und das Video vorladen (buffern) lassen? Geht nicht, außer bei YouTube. Ist eine schnelle Internet-Verbindung gegeben, müssen auch die Hosting-Server der Anbieter mitspielen. Bei zu hoher Auslastung gibt es leider auch kein Ultra HD.

 NetflixAmazon VideoSky TicketMaxdomeHuluYahoo ViewDisney+YouTube
AbonnementMonatlichMonatlich / jährlichMonatlichMonatlichMonatlich/Monatlich / jährlichnur pay-per-view
Preis7,99 € / 11,99 € / 15,99 €7,99 € mtl. / 5,75 € j.9,99 €7,99 €$5.99 / $11.99 (ohne Werbung)kostenlos$6,99 mtl. / $69,99 j.2,99€ - 19,99€
ProbemonatJaJaNeinJaJa/?/
KündigungsfristNeinNein7 Tage14 TageNein/?/
Streaming-Qualitätbis zu 4Kbis zu 4KHDHDHDHDbis zu 4Kbis zu 4K
Pay-per-view?NeinJaNeinJaNein/?Ja
In Deutschland verfügbar?JaJaJaJaNeinNeinJaJa

Bei Blu-rays wird es niemals zu diesem Problem kommen. Einfach die Disc in den Spieler einlegen, auf die Couch setzen und los geht’s. Das Problem mit zu langsamem Internet könnte in Ballungsgebieten mit Glasfaser und 5G-Mobilfunk in absehbarer Zeit gelöst werden. Bei letzterem werden nämlich Übertragungsraten von bis zu 10 Gbit/s (!) versprochen.

5G-Netzwerke werden einen erheblichen Einfluss auf unsere Welt der Technologie haben.

Allerdings ist die Einfachheit von Netflix & Co. kaum von Heimkinosystemen auf Blu-ray-Basis zu übertreffen. Natürlich kann ein aufwändiges Heimkino in mühsamer Kleinarbeit liebevoll von Hobbyisten aufgebaut werden. Doch Streaming-Nutzer installieren eine App auf dem Smartphone oder steuern eine URL im Internet an und loggen sich ein. Fertig. Sogar Kinder können die Benutzeroberfläche bedienen, zumal es eine fantastische Auswahl an Kindersendungen im Katalog gibt.

Wer hat gewonnen?

Am Ende muss natürlich jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Die Vor- und Nachteile von Streaming und Blu-ray kurz zusammengefasst:

Unser Fazit – Blu-ray

Unser Fazit –Streaming

  • Beste erhältliche Qualität
  • Keine Ladezeiten beim Schauen
  • Umfangreicher Film-Katalog
  • Kompatibilität mit Dolby Vision und HDR10
  • Inhalte für Kinder
  • Technische Peripherie notwendig
  • Blu-ray-Player werden nicht mehr produziert
  • Unflexibel
  • Kann kaputt gehen
  • Einfache Benutzeroberflächen
  • Bedienung auf mehreren Geräten
  • Nicht nur TV, auch Smartphone und Laptop
  • Große Auswahl an Filmen und Serien
  • Inhalte für Kinder
  • “Unzerstörbar”
  • Abhängig von Internet-Geschwindigkeit und Hosting-Servern
  • Durchgehendes Abonnement zum Konsum nötig

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