Welche Filmkameras werden in Hollywood verwendet?

Die mystische Welt des kalifornischen Hollywood ist die Schmiede zahlreicher Blockbuster, über die wir uns in den letzten Jahrzehnten freuen durften. Filme entführen uns bis heute in fremde Welten und bringen uns zum träumen. Wir zeigen, mit welchen Filmkameras diese Träume auf die Leinwand kommen.

Ton ab, Kamera ab und Action!

Sehr viele Hollywood-Regisseure wie Christopher Nolan, Zack Snyder oder Quentin Tarantino schwören bis heute auf analoge Filmtechnik von früher. Bevor es digitale Kinokameras gab, wurden Filme mit großen Kameras auf Filmrollen gedreht. Zum Beispiel auf 35mm, 65mm oder 70mm-Film.

Den Gegensatz dazu bilden digitale Kinokameras, die keine Filmrollen benötigen, sondern das Filmmaterial digital auf Festplatten speichern.

Auf diese Weise wird viel Gewicht und Zeit bei der Produktion gespart. Was geht dafür verloren?Wir erklären, ob und welche Vor- oder Nachteile das mit sich bringt.

Digitale Filmkameras sind die Zukunft und analog ist Schnee von gestern? Falsch. © gnepphoto

Analoge Filmkameras

  • Analoge Filmrollen müssen erst einmal abgetastet werden.
  • Durch den sich bewegen Film in der Kamera können Störgeräusche entstehen.
  • Filmrollen veralten mit der Zeit und können unbrauchbar werden.
  • Filmrollen sind bei langen Produktionen sehr teuer, besonders 70mm-Film.
  • Unverwechselbare Ästhetik und digital nicht nachzuahmen.

Digitale Filmkameras

  • Das Ergebnis kann noch am Filmset geprüft werden.
  • Digitale Kameras sind sehr leise und verursachen keine Störgeräusche.
  • Digitale Dateien können beliebig oft repliziert werden und gehen schwieriger verloren.
  • Digitalen Film gibt es nicht. Ist die richtige Technik vorhanden, kann unendlich viel aufgenommen werden.
  • Wirkt oft zu “perfekt” und zu “sauber”.

Eine Vorstellung verschiedener Filmkameras

Lange wurden in Hollywood analoge Kameras verwendet, da der bildliche Charakter chemischen Films von Regisseuren bevorzugt wird und die Bildqualität lange unerreicht war. Das ist jetzt nicht mehr so. Digitale Filmkameras schaffen es mit 8K-Auflösungen, genauso hochauflösend zu filmen und den Charme analogen Films teilweise zu imitieren. Nur noch eine Videokamera ist unerreicht: Die IMAX.

IMAX

Eine echte IMAX-Kamera, zum Beispiel die MSM 9802, verwendet Technologien, die über 120 Jahre alt sind. Diese Kameras sind analog und nehmen auf 70mm-Film auf. Das hat viele Nachteile: Die Filme sind sehr teuer, da der Film doppelt so breit ist wie 35mm.

Der Vorführer eines Chicagoer Kinos rechnet in einem Beispiel vor, dass eine nachproduzierte Filmrolle zehnmal so teuer ist, wie eine 35mm-Rolle ist. Die Filmrollen sind sehr schwer. Die Abtastung dauert sehr lange und die Vervielfältigung ist extrem aufwändig. Zudem wiegt die Kamera selbst etwas mehr als 100 kg und kostet sehr viel.

Mit digitalen Kameras gibt es diese Nachteile nicht. Folgende Vorteile jedoch auch nicht: Die Bildqualität und Auflösung sind bis heute von digitalen Filmkameras unerreicht.

Die Auflösung entspricht bis zu 16K – doch kaum jemand benutzt sie. Warum? Vielen Kinos fehlt die Ausstattung, um 70mm-Filme abzuspielen, da ein Großteil der Kinos weltweit auf digital umgerüstet wurde.

In den letzten Jahren erlebte IMAX jedoch einen zweiten Frühling, da Regisseure das vergangene Kino-Gefühl zurückbringen wollen. Aus diesem Grund steigt die Zahl der IMAX-Kinos weltweit. Um solche Filme auch in Deutschland zu genießen, muss eines der spärlich verteilten IMAX-Kinos aufgesucht werden.

“Dunkirk” von Christopher Nolan wurde fast ausschließlich mit IMAX-Filmkameras gedreht.

Panavision Millennium DLX2

Die DLX2 des US-amerikanischen Herstellers Panavision ist eine der aktuell leistungsstärksten digitalen Filmkameras auf dem Markt. Seit 1954 stellen sie ihre Filmkameras her. Kaufen kann man sie nicht, sondern nur ausleihen – außer man ist J.J. Abrams.

Für den Regisseur von Star Wars VII wurden Gerüchten zufolge spezielle Panavision-Kameras angefertigt. Die Spitznamen der Kameras passen wie die Faust aufs Auge: Millenium Falcon und Death Star. Schon George Lucas benutzte Kameras von Panavision, als er noch eigenhändig Star Wars filmte.

Sie sind in der Lage 8K (8192 × 4320) bei maximal 60 Bildern pro Sekunde zu filmen. Der Kontrastumfang beträgt 14 Blenden und die native ISO liegt bei 800. Der Preis dieser digitalen Kameras ist nicht bekannt, da sie nur gemietet werden können. Experten schätzen $120.000 für den Body allein. Ein volles Linsen-Set könnte etwa eine halbe Million US-Dollar wert sein.

ARRI Alexa

Diese Kameras haben nichts mit Amazon zu tun. Der deutsche Hersteller für Filmkameras und Zubehör Arnold & Richter, besser bekannt als ARRI, ist einer der bekanntesten Player der Branche. Das Unternehmen gibt es bereits seit 1917. Die ARRI Alexa 65 gehört zu den Flaggschiffen des Unternehmens. Emmanuel Lubezki, der Dreifach-Oscar-prämierte Kameramann, filmte The Revenant mit Leonardo DiCaprio mit einer Alexa 65.

Die Maximalauflösung beträgt 6,5K (6560 × 3100). Wahlweise sind auch 5K und 4K möglich. Auch hier ist die Wiederholrate 60 fps. Wie auch bei Panavision liegen Kontrastumfang bei 14 Raten und native ISO bei 800.

Im Jahr 2018 erschien die ARRI Alexa LF. Die Bildwiederholrate liegt hier weitaus höher bei 90fps. Im Ausgleich ist die Maximalauflösung mit 4,5K kleiner. 4K und 2K sind auch verfügbar. Kontrastumfang und native ISO stimmen überein.

“The Revenant” wurde für 2016 mit einem Oscar für Beste Kamera ausgezeichnet. Kameramann Emmanuel Lubezki verwendete eine Arri Alexa.

RED One & RED Epic

Das amerikanische Start-Up-Unternehmen RED ist der jüngste Kamerahersteller in unserer Liste. Der Gründer, Jim Jannard, ist auch der Gründer der Sport- und Bekleidungsmarke Oakley.

Im Jahr 2005 entschied er sich dazu, nicht nur Sportbrillen zu produzieren, sondern auch Filmkameras zu entwickeln. Und das äußerst erfolgreich: Das erste Modell “Red One” wurde ab 2007 ausgeliefert und im selben Jahr als innovativste Kamera der Welt ausgezeichnet. 4,5K-Auflösung, 12bit-Farbtiefe und 11,3 Blenden Kontrastumfang.

Etwa zehn Jahre später erschien ein neues Flaggschiff aus dem Hause RED. Die Monstro. Wie der Name schon verrät, sind die Eigenschaften monströs: 8K-Vollformat (8192 × 4320) bei maximalen 60 fps mit 14 Blenden Kontrast und ISO 800 nativ.

Alle vorgestellten digitalen Filmkameras nehmen übrigens im RAW-Format auf. So können Blende und Belichtung nachträglich verändert werden, ohne neu filmen zu müssen.

Canon Camera EOS

Auch der japanische Elektronik-Riese Canon mischt auf dem Markt der Filmkameras mit. Mit der Canon EOS C700 und der C700 FF bietet Canon ebenbürtige Konkurrenzgeräte zu den bisher genannten Modellen an. Ebenfalls vollständig digital sind diese Filmkameras zu Höchstleistungen fähig.

Die C700 FF weist 5,9K Vollformat (5952 × 3140) bei maximal 60 fps, 15 Blenden Kontrastumfang und nativ ISO 850 vor.

Das ältere Modell C700 filmt maximal in 4,5K 16:9 (4622 × 2469), max. 120 fps, 14 Blenden und ebenfalls nativ ISO 850.

Alle Filmkameras im Überblick

 digital oder analog?Maximale AuflösungEmpfindlichkeitGewicht
IMAXanalog (70mm-Film)16Kabhängig vom Filmetwa 100 kg (3D15-Solido)
Millennium DLX2digital8KISO 800 (nativ)4,5 kg
Arri Alexa 65digital6,5KISO 800 (nativ)10,5 kg
Red Monstrodigital8KISO 800 (nativ)1,5 kg (nur Body)
Canon EOS C700digital4,5KISO 850 (nativ)etwa 3,5 kg
Nicht jeder denkt sofort daran, doch Gewicht ist beim Einsatz von Filmkameras sehr wichtig. © gnepphoto

Filmkameras sind der Schlüssel zum Blockbuster

Selten wird von Zuschauern darüber nachgedacht, dass ihre Lieblingsfilme gar nicht erst möglich wären, wenn es weder analoge noch digitale Filmkameras gäbe, um ausgezeichnete Geschichten von preisgekrönten Schauspieler festzuhalten. Doch manchmal sind nicht mal Filmkameras nötig. Manche Filme wurden tatsächlich mit einem iPhone gedreht.

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Bildnachweise: © StockSnap, gnepphoto
* Ungefährer Preis inkl. Mwst, zzgl. Versandkosten // Zuletzt aktualisiert am 1. November 2019 um 6:07 Uhr. Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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